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Leseprobe
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Aus: Pechwinkel ... Um den Mief in Erna Kubeliks Wohnung erträglicher zu machen, öffnete Max Pfeffer ein Fenster im Wohnzimmer. Er sah sich noch gründlicher um, als bei seinem ersten Besuch, versuchte sich von seiner Intuition leiten zu lassen, fragte sein Bauchgefühl. Aber er erhielt keine Antwort. Die Kollegen, die die Wohnung durchsucht hatten, hatten das ohnehin herrschende Chaos noch verstärkt. Max Pfeffer zog die Fotografie mit der jüngeren Erna Kubelik im ordentlichen Wohnzimmer heraus, die er mitgenommen hatte. Er versuchte den Kamerastandpunkt einzunehmen und verglich den Blick. Auf der Fotografie hingen noch mehr Bilder an der Wand. Mehr nicht. Pfeffer steckte das Foto wieder ein. Dann machte er wie in der Wohnung von Therese Obermeier Fotos mit seinem iPhone. Er schloss das Fenster und verließ die Wohnung Richtung Keller. Max Pfeffer berührte die Kellerwand neben sich. Putz bröckelte herunter. Pfeffer rieb ein wenig an einer Stelle mit Feuchtigkeitsschaden. Etwas unschlüssig streifte er zwischen den Kellerabteilen umher. Was suchte er wirklich? Er spähte in die verschiedenen Kellerabteile. Die meisten waren komplett leer, die Türen standen offen, eins quoll über vor Kisten und Kartons, deren Pappe sich wellte oder bereits schwarze Schimmelspuren zeigte. Der Keller war vertrackt verwinkelt. Enge Gewölbegänge zwischen den Abteilen führten mal nach links, mal nach rechts. An zwei Stellen war die Decke so niedrig, dass Pfeffer Putz in den Kragen rieselte und Spinnenweben sich in seinen Haaren verfingen, obwohl er den Kopf eingezogen hatte. Am Ende eines kleinen Gangs fand er eine vergleichsweise frische Mauer mit abgeschlossener Feuerschutztür. Ein Schild auf der Tür klärte auf: Heizungskeller. Ein Geräusch ließ Pfeffer stutzig werden, als er den Weg zurückging. Er lauschte konzentriert. Ein Rauschen. Dann hörte er ein Klickern, als wären kleine Steinchen heruntergefallen. »Hallo?«, rief Pfeffer. »Ist da jemand?« Er vermeinte eine Bewegung hinter einem Abteil wahrgenommen zu haben. Wieder kam ein leises Klickern, dann ein feines Getrippel. Ratten, schoss es dem Polizeibeamten durch den Kopf. Natürlich. Das Rauschen blieb. Er näherte sich der alten Metalltür, die zum Bach führte und schloss sie auf. Feuchte, kalte Luft schlug ihm entgegen. Das Rauschen schwoll schlagartig an. Er beugte sich vor. Natürlich, der Bach floss wieder. Pfeffer beugte sich weiter vor und verlor beinahe das Gleichgewicht. In letzter Sekunde hielt er sich am Türrahmen fest. Er hockte sich hin und spähte angestrengt nach unten. So, wie sie es immer als Kinder gemacht hatten. Nachdem sich seine Augen an das schwache Licht gewöhnt hatten, erkannte er das unregelmäßige Glitzern von fließendem Wasser. Unter Max Pfeffer schoss der Glockenbach wieder durch sein unterirdisches Bett. Der Bach wurde sein Bett. Wie das passierte, wusste er nicht. Eben noch hockte er an der Metalltür, nun war alles dunkel um ihn herum. Sein Hirn schwamm, er schwamm. Er raste mit ungeheurer Geschwindigkeit dahin. Eiseskälte drang durch seine Kleidung und seine Haut bis in sein Innerstes. Jede Faser seines Körpers schmerzte. Er atmete schmerzenskaltes Wasser. Seine Lungen brannten. Beweg dich, schrie eine Stimme in ihm, verdammt noch mal, Maximilian Pfeffer, beweg dich, du verdammtes Arschloch! Wasser stieg seine Nase hinauf. Er hustete und schlug um sich, ruderte mit den Armen, trat mit den Beinen. Es half nichts, er fror langsam ein. Die Schmerzen ließen nach. Nur, wenn er gegen Wände knallte, was oft passierte, funkten erneut kurze Schmerzen auf. Statt schwarz, wurde langsam alles rot um ihn. Er bebte. Das Rot wich einem hellen Gelb, schließlich einem lichten Weiß. Er fühlte sich allmählich wohler, völlig schmerzfrei. Er fühlte, dass er lächelte. Dann stieß er gegen etwas Hartes. Das Licht wich schlagartig tiefer Dunkelheit. Er schlug mit den Armen um sich und prustete das Eiswasser aus seinen Atemwegen. Sein Hirn schaltete auf Notfunktion: Überleben! Er stieß gegen Wände und wurde umhergewirbelt. Seine Hand griff etwas Pelziges, Nasses. Ein stechender Schmerz. Er ließ den nassen Pelz los. Dann blieb sein Fuß an einem Metallstab hängen. Er schrie. Zumindest hoffte er das, denn er hörte nichts außer dem großen Rauschen. Sein Mund füllte sich mit Eiswasser. ... ... Fortsetzung nur im Buchhandel! |
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